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Fibromyalgie (FMS)

Als Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz / Klassifikation nach ICD-10: M79.0) wird eine chronische, nicht-entzündliche Schmerzerkrankung in der Muskulatur (nicht in den Gelenken) eingestuft. Sie äußert sich durch diffusen chronischen Schmerz und weitere körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Erschöpfungszustände und Gliedersteife, jedoch ohne eine fassbare zugrundeliegende Erkrankung. Im engeren Sinne stellt die Fibromyalgie keine rheumatische Erkrankung (notwendige Abgrenzung zum "Weichteilrheumatismus") dar, da keine Entzündung vorliegt (Hinweis: die medizinische Definition des Rheumas fordert eine nachweisbare Entzündung); in diesem Sinne stellt die Fibromyalgie keine rheumatische Erkrankung dar. Eine wichtige Differentialdiagnose ist daher die Rheumatoide Arthritis.

Symptome
In den Leitlinien (AWMF 2008) wird in der Diagnose zwischen  erforderlichen Hauptsymptomen und häufig vorliegende Nebensymptomen unterschieden.

  1. Hauptsymptome sind chronische Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, andauernde Müdigkeit (allgemeine Schwäche, Konzentrationsstörungen) bis hin zur Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) sowie Schlafstörungen. Von den Schmerzen besonders betroffen sind Rücken, Nacken, Brustkorb als auch die Gelenke in den Armen und Beinen. Die Symptome sollten über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten.
  2. Zu den häufig vorzufindenden Begleit- bzw. Nebensymptomen gehören Schwellungsgefühle in den Händen, Füßen oder dem Gesicht, Morgensteifigkeit, Reizdarm, Reizmagen, Kopfschmerzen, Trockenheit bzw. Überempfindlichkeit der Schleimhäute sowie vermehrte Ängstlichkeit und Depressivität.

Während für gewisse Fibromyalgie-Patienten vor allem die Schmerzen im Vordergrund stehen, klagen andere Patienten hauptsächlich über Müdigkeit, Verspannungen, Konzentrationsstörungen und unnatürlich lange Erholungsphasen nach körperlichen, geistigen oder emotionalen Belastungen. Wissenschaftlich nachgewiesen wurden eine erhöhte Geräusch-, Licht- und Kälteempfindlichkeit.

Symptom-Komplex (Auszüge AWMF-Leitlinie 2008):
Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen (chronic widespread pain, CWP). Die Schmerzen sind meist mit anderen körperbezogenen Beschwerden wie Druckschmerzempfindlichkeit, Steifigkeits- und Schwellungsgefühl der Hände, der Füße und des Gesichts, Müdigkeit, Schlafstörungen sowie mit seelischen Beschwerden wie Ängstlichkeit und Depressivität assoziiert.

Zur Definition chronischer Schmerzen in mehreren Körperregionen werden international die Kriterien der ACR (US American College of Rheumatology – Klassifikationskriterien,  1990) verwendet:

> 3 Monate bestehender Schmerz in:

  • Achsenskelett (Halswirbelsäule oder vorderer Brustkorb oder Brustwirbelsäule oder Lendenwirbelsäule) und
  • rechte Körperhälfte und linke Körperhälfte und
  • oberhalb der Taille und unterhalb der Taille

Die anamnestischen Angaben eines CWP und der klinische Befund einer schmerzhaften Palpation von mindestens 11/18 Tender Points definieren das Fibromyalgie-Syndrom FMS nach ACR-Kriterien.

Differentialdiagnosen
Da es sich bei der Diagnose Fibromyalgie um eine beschreibende Ausschlussdiagnose handelt, müssen zuvor unbedingt andere definierte Erkrankungen ausgeschlossen werden. Wichtig ist hierbei auch eine sorgfältige psychiatrische Abklärung, da z.B. eine Depression oft übersehen wird.

  • Rheumatoide Arthritis
  • Perniziöse Anämie / Vitamin-B12-Mangel, Neurologische Schäden treten meistens vor der eigentlichen Anämie auf.
  • Polyneuropathie
  • Borreliose
  • Hashimoto-Thyreoiditis
  • Multiple Sklerose
  • Epstein-Barr-Virus
  • CFS – Chronisches Müdigkeits-Syndrom
  • Enthesiopathien, z. B. Tendinose – Degenerative Erkrankungen der Sehnen oder des Sehnenansatzes, meist Folge von Über- oder Fehlbelastungen bzw. von Stoffwechselstörungen, Abklärung in der Regel per Sonographie möglich
  • Übertraining – intensive langwährende sportliche Betätigung, z. B. Leistungssportler, aber auch ambitionierte Hobbysportler
  • Hypermobilitätssyndrom

Fibromyalgie und CFS (Differentialdiagnose): CFS weist ähnliche, jedoch unterschiedlich gewichtete klinische Charakteristika auf. Nach der „Kopenhagen Deklaration“ ist die Fibromyalgie ein schmerzhafter, länger anhaltender Zustand, der die Muskulatur, nicht jedoch die Gelenke involviert. Die chronischen Muskelschmerzen sind verbunden mit Müdigkeit und Schlafstörungen.

In unserem Ärzte-Team haben wir u.a. einen erfahrenen Rheumatologen (Dr. med. Götz), der sich primär den Verdachtsfällen auf CMS annimmt.

Das erfolgversprechendste Behandlungskonzept ist heute die multimodale Therapie entsprechend den Erkenntnissen der modernen Schmerzforschung. Ziel der Maßnahmen ist hierbei die Erhaltung oder Verbesserung der Funktionsfähigkeit im Alltag und damit der Lebensqualität sowie die Minderung und/oder Linderung der Beschwerden. Da es sich um ein lebenslang bestehendes Beschwerdebild handeln kann, werden insbesondere Behandlungsmaßnahmen empfohlen, die vom Betroffenen eigenständig durchgeführt werden können (Selbstmanagement), die keine oder nur geringe Nebenwirkungen haben und deren langfristige Wirksamkeit gesichert sein sollte.